Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
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Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von daus am 13.09.2016 15:58@bummi: danke für deine Beiträge! Von einem echten Härteprofi zu lesen macht echt Laune.
Du schreibst gut verständlich und ausführlich. Gerne mehr davon!
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von Marianos am 13.09.2016 08:13Danke bummi für die Antwort. Ich finde das ganze sehr interessant. Hätte ich früher in das alles rein schnuppern können wäre ich heute warscheinlich heute nicht in der IT tätig.
Und für mich geht kein Wissen zu weit. Wissen ist wie ein Puzzle. Wenn man etwas nicht versteht muss man das dazu passende Puzzleteil finden. Ausserdem bin ich jemand der Wissen sammelt und sich für alles interessiert. Bin nur jemand der aus Büchern nicht viel lernt. Ich brauch immer wem der mir das ganze erklärt. Ist find ich viel verständlicher und ausserdem kann man Fragen stellen.
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von bummi am 12.09.2016 20:05Habe es gefunden.
Wasser abschreckgeschw. 200k/sec. C geht auch, da absolut.
Öl 100k/sechs.
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von bummi am 12.09.2016 19:42P.s was wichtiges vergessen beim abschrecken.
Die dicke des Teiles spielt eine grosse Rolle.
Grosse dicken müssen schneller abgeschreckt werden, das geht soweit das bestimmte teile nicht mehr durchhärtebar sind und ein sogenannter schalenhärter entsteht, aber keine angst bei unseren Messern belanglos.
Jetzt komme ich zu den legierungselementen , aber das führt jetzt zu weit.
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von bummi am 12.09.2016 19:31Hallo Jungs, zuerst zum Öl. Härteöl haben eine determiniert zusammensetzung für bestimmte stähle und abschreckgeschwindigkeiten .
Für unsere Zwecke sind dünnflüssige öle im Notfall sogar Petroleum oder diesel brauchbar . Bisschen feurig, sollten nur Kenner machen.
Alt heisst , nicht grosse mengen ins gleiche Öl, russpartikel setzen sich ab und bilden oxidschichten. Alle 2 Monate ein messer, da hält das schon ein Jahr.
Pflanzenöle riechen auch ranzig wenn sie umkippen.
Grosses Gefäß und immer vorwärmen, sollte mindestens 30grd haben.
Zum abschrecken, alte Regel, so schnell wie nötig- nicht wie möglich. Vermeidung von Spannungen.
Unsere messer schrecken im warmen dünnflüssige Öl gut ab.
Zuerst kommt Wasser - kann man mit Zusätzen optimieren, weich machen oder schroff. Mit lauge versetzt höchste abschreckwirkung, mit Kalk sehr mild.
Dann kommt Öl. Gibt's abschreckende, soviel grd. Pro Zeiteinheit. Das Buch muss ich erst suchen.
Dann kommt flüssiges Salz, spezialbehandlung so genanntes bainitisieren .Für uns belanglos.
Jetzt kommt Luft, Gebläse oder ruhend. Nimmt man für hss oder sehr hoch legere stähle. Im vakumofen wird stickstoff auf das teil geblasen.
Auf das ztu , du meinst die sogenannte perlit Nase. Eine Gefüge Insel sehr weit oben und sehr weit links.
An dieser nase musst du mit deiner Abschreckung vorbeikommen, das erreichst du mit der entsprechenden Abschreckung.
Tauchst du ein dann erhält du perlit statt martensit. Das ist weich.
Konnte ich dir den Mechanismus naheliegend. Habe stark vereinfacht, in der Industrie werden dafür extra Programme entworfen- mein Job u.a.
Aber frag ruhig, freut mich wenn ich was erklären darf.
Gruss fritz
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von c.baum am 12.09.2016 05:30@bummi
Eine kleine Frage zum kont. ZTU: welche Abkühlzeiten kann ich denn eigtl. in den verschiedenen Medien (Luft, Wasser, Öl) annehmen? Interessiert mich bereits länger, konnte aber noch keine Aussage dazu finden. Danke!
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von EdgarDerSchmied am 11.09.2016 20:47Das mit dem Öl wusste ich auch noch nicht. Da würde mich auch mal weiteres zu interesieren!
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von Marianos am 11.09.2016 19:48Danke das sind äusserst nützliche Infos. Werde ich auf jedenfall beherzigen.
Das mit den Ölen habe ich zum beispiel nicht gewusst. Muss ich da immer neues Öl geben oder bit es da auch einen Zeitraum in dem ich sagen kann da kann ich das öl nochmal verwenden? Oder gibt es da eine möglichkeit das Öl nach dem Härten so zu lagern das es zb ne Woche oder so hält und dann wieder verwendtbar ist? Und was passiert wenn ich zu altes Öl nehme?
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von bummi am 11.09.2016 11:34Edgar hat schon recht.
Ich will es mal ganz plakativ herunterbrechen auf das einfachste.
Kohlenstoff stahl, härte Temperatur etwa 800 bis 850 grd.
Farbe sattes rot bis hellrot
Bisschen höher schadet nicht ,da Erwärmung sehr schnell geht,
Haltezeit 5 min wenn alles durchgewärmt ist
Abschrecken nur im Öl, Wasser ist zu schroff gibt Verzug
Eintauchen senkrecht und langsam , rücken voran.
Bei handwarm entnehmen
Feilen probe
Säubern und dann bei 200grd in den Küchenofen , haltezeit mindestens. 1std besser 2
Das ist schon alles.
Das ganze kann ich noch untersetzen mit den verschiedenen Gefüge und den umwandlungspunkten u.ä.
Ich härte aus einem holzkohle Feuer , einen Topf wo die klinge hochkant hineinpasst.
Das Öl ist wichtig , es muss dünnflüssig sein und neu! Öle altern . Ideal härteöl.
Aber Pflanzenöle gehen auch.
Nicht zuviel Respekt, die schmiede des Altertums heben es auch nicht anders gemacht.
Viel Glück.
Gruss fritz
Re: Wärmebehandlungs Techniken und Erfahrungen
von EdgarDerSchmied am 11.09.2016 07:17Also, ich bin auch Anfänger, aber kann dir schon ein bisschen erzählen.
Ich härte in Rapsöl. Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht, welches öl man nimmt, lasse mich aber gern belehren.
Wenn du reine Kohlenstoffstähle hast, also welche ohne andere Legierungsbestandteile, dann sollte man diese soweit ich das verstanden habe, in Wasser härten, da sie Umwandlungsfreudiger sind, und sonst nicht hart werden.
Ich verwende auch den Trick mit dem Magneten.
Wenn es dann gehärtet ist, sollte man die Härte testen, das heißt schauen ob die feile greift.
Wenn sie nicht greift, irgendwo eine blanke Fläche machen und dann entweder bei 200 ( für ein Messer) grad in den backofen oder mit einem Gasbrenner eerwärmen oder auf ein glühendes Stück Metall legen oder in die Glut halten oder, oder, oder...( bei diesen methoden ist die Farbe Indikator für die temparatur!)
Richtig für ein Messer ist meiner Meinung nach die dunkel- Goldene Anlassfarbe.
Mit den Anlassfarben ist es eigentlich ganz einfach. je wärmer es wird, desto stärker wird die Oxidschicht. Darum verändern sich die farben. je wärmer es wird, desto weicher wird es, aber eben auch zäher. Und das ist der Effekt, den man haben will.
Es gibt ja diese Tabellen, da stehen alle anlassfarben drin, mit den temparaturen.
Wenn du ein blankes stück stahl mit einem Ende ins feuer steckst, siehst du auch irgendwo zwischem warmem und kaltem bereich alle Anlassfarben.
Ich lasse mich aber wie gesagt gerne belehren, ich mache auch oft Fehler!
Hoffe ich konnte trotzdem helfen.