Noch ein Versuch eine Sichel zu dokumentieren
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Re: Noch ein Versuch eine Sichel zu dokumentieren
von dengelbengel am 01.03.2019 20:39Also, Leute,
da habt Ihr ein sehr komplexes/kompliziertes Thema einfach angeschnitten. Allein die Definition von "Sichel" geht wörtlich in verschiedene Richtungen: Bei der Hausichel geht die Schneidbewegung in Richtung Spitze, wie bei der Sense, bei der keltischen Sichel (siehe Bilder von gegossenen Bronzesicheln im Netz) und bei der Steinzeitsichel handelt es sich, wie bei Euren kleinen Objekten, um Ziehklingen wie Rebmesser oder Gärtnerhippen.
Dass die Druiden goldene Sicheln hatten, war wohl mehr Optik: von Weitem sieht's sagenhaft golden aus, auch, wenn's Bronze ist. Ich bin auch schon auf den sagenhaften Schärfetest nach der Siegfriedsage (Filzhut im Bach, Daune im freien Fall) angesprochen worden. "So was kann ich euch auch schmieden, wenn ihr mir Drachenblut zum Härten besorgt."
Zu Sicheln und Sensen (siehe www. sensenhammer.de) : In Leverkusen wurde normalerweise C45 verwendet. Nach dem Härten wurde mit 400°C (!!) angelassen, dann war das Stück noch federnd elastisch, riss aber beim Dengeln nicht.
Zu Bronzeklingen (siehe www.kupferspuren.at): Habe aus einem Bronzestreifen von dort eine gebogene Klinge gedengelt, durch erhitzen und abschrecken (wie bei Kupfer) versucht, das gedengelte=dadurch gehärtete Material wieder weicher und bearbeitbarer zu bekommen. (Erhitzen soll man nicht, laut Kupferspuren). Beim Zurechtschneiden der Klinge merkte man, dass die gute Blechschere ganz schön zu beissen hatte: "hammerhart". Da sich die gedünnte Kurve streckt, ist es vorteilhaft, bei Rundstangen den Sichelbogen zu übertreiben/enger zu biegen. Bei zu hoher Temperatur erlebt man bei Bronze Überraschungen.
Meinhard
(Sensenlehrer, Teilnehmer an 2 Sensen-WM, Förderv.-mitglied im Freudentaler Sensenhammer, ....)
unsel
Gelöschter Benutzer
Re: Noch ein Versuch eine Sichel zu dokumentieren
von unsel am 01.03.2019 20:43Danke für Deinen tollen Beitrag Dengelbengel!
Den Sensenhammer Kuhlmann und Söhne habe ich mir auch mal Angesehen. Er ist eine Reise Wert.
Gruss Rom.
Re: Noch ein Versuch eine Sichel zu dokumentieren
von dengelbengel am 11.03.2019 09:40Also, Leute,
habe mir soeben nochmals die Fabrikation der Sichel angesehen und gemerkt, dass ich vergessen hatte, einige unscheinbare Kleinigkeiten zu erwähnen.
-Der Griff ist leicht aufgesetzt/hochgewinkelt. Das macht man bei Hausicheln und Einhandsensen, um bei bodennahem Schnitt die Knöchel zu schonen. Bei Kräutersicheln für selektive ziehende Schnitte ist das nicht nützlich.
-Bei größeren dünnen Hausicheln und Sensen ist es für die Stabilität wichtig, den Rücken (rechtwinklig) aufzurichten und in das gebreitete dünne Blatt eine Längsmulde einzuarbeiten, sonst flattert oder knickt die Klinge.
-Das Wetzen geschieht im spitzen Winkel schräg zur Schneide, um eine Mikrozahnung zu erzielen. Eine Laubsäge schneidet schließlich auch in eine Richtung. Bei Sensen und Hausicheln ist die Wetzrichtung zur Spitze hin, wie der Schnitt, bei Ziehmessern/-sicheln Richtung Griff. Schon beim maschinellen Dengeln der Sensen in der Fabrik wird die gröbere Zahnrichtung geschmiedet. Es gibt auch Hausicheln und Zugsicheln/Bananenerntemesser mit Sägeprofil in der Schneide.
Wenn der Steffen mir hilft, könnt Ihr das mal auf Fotos sehen.
Gruß
Meinhard
Re: Noch ein Versuch eine Sichel zu dokumentieren
von dengelbengel am 11.03.2019 09:52Also, Leute, : Nachtrag:
Am (verregneten) Sonntag, 17.März sind in Leverkusen nachmittags wieder Schmiedevorführungen (www.sensenhammer.de) in der alten Sensenfabrik.
GrußMeinhard
Re: Noch ein Versuch eine Sichel zu dokumentieren
von Feuerkaefer am 30.03.2019 15:48Schwingt den Hammer!
Gruß Martin
unsel
Gelöschter Benutzer
Re: Noch ein Versuch eine Sichel zu dokumentieren
von unsel am 30.03.2019 16:44 Noch Morgen!
Dann wird Abgestimmt.
Gruss Rom.